Synthetischer Diesel 
HVO & XtL-Kraftstoffe
Als synthetische Dieselkraftstoffe werden Kraftstoffe bezeichnet, die nicht aus fossilem Erdöl hergestellt werden. Der Sammelbegriff XtL (X-to-Liquid) umfasst verschiedene paraffinische Dieselkraftstoffe nach DIN EN 15940. Dabei steht X für den jeweiligen Ausgangsstoff, aus dem der Kraftstoff hergestellt wird. Das können beispielsweise Erdgas, Biomasse oder mit erneuerbarem Strom erzeugter Wasserstoff in Verbindung mit einer Kohlenstoffquelle sein. Das Kürzel tL beschreibt die Umwandlung in einen flüssigen Kraftstoff.
HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil. Dabei handelt es sich um einen paraffinischen Dieselkraftstoff nach DIN EN 15940. HVO wird heute überwiegend aus biogenen Rest- und Abfallstoffen hergestellt, beispielsweise aus gebrauchten Speiseölen und -fetten (Used Cooking Oil) sowie weiteren Reststoffen der Lebensmittelindustrie. Je nach Hersteller und Rohstoffbasis können sich die eingesetzten Ausgangsstoffe unterscheiden.
Welche XtL-Kraftstoffe gibt es?
Zu den bekanntesten XtL-Kraftstoffen gehören GTL, BTL, PTL und HVO.
- GTL (Gas-to-Liquid) wird aus Erdgas hergestellt.
- BTL (Biomass-to-Liquid) basiert auf Biomasse.
- PTL (Power-to-Liquid) nutzt Strom als wesentlichen Bestandteil des Herstellungsprozesses.
- HVO wird aus biogenen Rest- und Abfallstoffen produziert.
Unabhängig vom Herstellungsverfahren erfüllen diese Kraftstoffe die Anforderungen der DIN EN 15940. Sie können in jedem beliebigen Verhältnis mit herkömmlichem Dieselkraftstoff gemischt werden.
Was zeichnet synthetischen Diesel aus?
Paraffinische Dieselkraftstoffe nach DIN EN 15940 sind nahezu farblos und geruchsarm. Viele moderne Dieselfahrzeuge können diese Kraftstoffe nutzen, sofern eine Freigabe des Fahrzeugherstellers vorliegt.
Im Vergleich zu fossilem Dieselkraftstoff können bei der Verbrennung – abhängig vom eingesetzten Kraftstoff, dem Fahrzeug und den Betriebsbedingungen – geringere lokale Schadstoffemissionen wie Feinstaub oder Stickoxide entstehen.
Auch die Treibhausgasbilanz kann sich gegenüber fossilem Diesel verbessern. Wie groß dieser Effekt ausfällt, hängt jedoch vom jeweiligen Herstellungsverfahren und den verwendeten Rohstoffen ab. Deshalb unterscheiden sich die Eigenschaften und die bilanziellen Treibhausgasemissionen der einzelnen XtL-Kraftstoffe teilweise deutlich.
Technische Eigenschaften
- Nahezu geruchlos und farblos
- Gute Kälteeigenschaften
- Hohe Lagerstabilität
- Mit Dieselkraftstoff mischbar
- Verwendung gemäß Herstellerfreigabe
Mögliche Umweltvorteile
- Je nach Fahrzeug und Einsatzbedingungen können geringere lokale Emissionen von Rußpartikeln und Stickoxiden entstehen.
Alternative Kraftstoffe für Dieselfahrzeuge
Für viele Anwendungen stehen bereits heute paraffinische Dieselkraftstoffe nach DIN EN 15940 zur Verfügung. Je nach Herstellungsverfahren unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Rohstoffbasis und ihrer bilanziellen Treibhausgasemissionen.
Neste MY Renewable Diesel™
HVO = Hydrotreated Vegetable Oil
Neste MY Renewable Diesel™ ist ein HVO-Kraftstoff nach DIN EN 15940. Der Kraftstoff wird aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt, überwiegend aus Rest- und Abfallstoffen wie gebrauchten Speiseölen und -fetten. Die Treibhausgasemissionen können über den Lebenszyklus des Kraftstoffs im Vergleich zu fossilem Dieselkraftstoff deutlich reduziert werden.
GTL
GTL = Gas to liquid
GTL wird aus Erdgas hergestellt und erfüllt ebenfalls die Anforderungen der DIN EN 15940. Aufgrund seiner paraffinischen Zusammensetzung kann GTL in vielen freigegebenen Dieselfahrzeugen eingesetzt werden. Weil Erdgas als fossiler Rohstoff eingesetzt wird, fällt die Minderung der Treibhausgasemissionen gegenüber fossilem Dieselkraftstoff vergleichsweise gering aus.
E-Fuels
PtL = Power to liquid
E-Fuels werden mithilfe von Wasser, einer Kohlenstoffquelle und Strom hergestellt. Befindet sich der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen und stammen auch die übrigen Prozessschritte aus geeigneten Quellen, können E-Fuels einen wichtigen Beitrag zur Defossilisierung des Verkehrs leisten.
Die Herstellung befindet sich derzeit noch im Hochlauf. Erste Produktionsanlagen sind bereits in Betrieb oder im Aufbau, größere Mengen stehen jedoch bislang nur eingeschränkt zur Verfügung. Mit zunehmender Produktion und dem Ausbau industrieller Anlagen wird erwartet, dass die Herstellungskosten künftig sinken. Verschiedene Studien sehen die Herstellungskosten bei konsequenter Weiterentwicklung der Produktionstechnik in absehbarer Zeit bei ca. 1 EUR pro Liter.
Synthetischer Diesel für jeden Einsatzbereich
Netzersatzanlagen
Ein Ausfall durch Dieselpest wäre bei Notstromaggregaten besonders fatal. Durch die fast unbegrenzte Lagerfähigkeit von synthetischem Diesel ist der Kraftstoff hervorragend für den Betrieb von Netzersatzanlagen geeignet.
Schifffahrt
Paraffinische Dieselkraftstoffe nach DIN EN 15940 eignen sich für viele Anwendungen in der Schifffahrt. Ihre hohe Lagerstabilität und die geringe Wassergefährdung (WGK 1) machen sie insbesondere dort interessant, wo Kraftstoffe über längere Zeit gelagert werden.
Ob in der gewerblichen Schifffahrt, auf Binnenschiffen oder im Freizeitbereich: Bei entsprechender Motorfreigabe können synthetische Dieselkraftstoffe eine Alternative zu herkömmlichem Dieselkraftstoff sein.
Kurzstreckenbetrieb
Versorgungsfahrzeuge auf dem Flugfeld befinden sich ausschließlich im Kurzstreckeneinsatz. Das sorgt häufig für verstopfte Rußpartikelfilter. Durch den Einsatz von synthetischem Kraftstoff, verlängern sich die Wechselintervalle von Rußpartikelfiltern deutlich.
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