Ein Unimog U 1300 L erreicht den Theodulpass mit HVO100 im Tank
Mit Neste MY Renewable Diesel auf 3.295 Meter
Ein Unimog U 1300 L auf dem Weg zum 3.295 Meter hohen Theodulpass. Das Fahrzeug wurde bei der Tour mit Neste MY Renewable Diesel betrieben.
Foto: Unimog-Club Italia
Ein 34 Jahre alter Unimog U 1300 L, eine anspruchsvolle Hochgebirgsstrecke und 3.295 Meter über dem Meeresspiegel: Bei einer Ausfahrt des Unimog-Club Italia erreichten Bernd Eckert und Ralf Moryson mit ihrem Fahrzeug den Theodulpass zwischen dem Schweizer Kanton Wallis und dem italienischen Valtournenche.
Im Tank befand sich Neste MY Renewable Diesel. Der paraffinische Dieselkraftstoff erfüllt die Anforderungen der DIN EN 15940 und wird unter anderem aus erneuerbaren Rohstoffen wie gebrauchten Speiseölen und weiteren Rest- und Abfallstoffen hergestellt.
Ob damit tatsächlich ein Höhenrekord für einen mit HVO100 betriebenen Unimog aufgestellt wurde, ist nicht offiziell bestätigt. Für die beiden Fahrer war die Tour dennoch ein besonderer Praxistest unter hoher Last und in dünner Bergluft.
Eine Einladung führt ins Hochgebirge
Die Gelegenheit zu der Fahrt ergab sich bei einer Hauptversammlung des Unimog-Club Gaggenau im Unimog-Museum. Dort lud der Unimog-Club Italia zu einer Ausfahrt anlässlich seines zehnjährigen Bestehens ein. Die Strecke über den Theodulpass ist normalerweise für den öffentlichen Verkehr gesperrt.
Bernd Eckert und Ralf Moryson nahmen mit ihrem restaurierten Unimog U 1300 L teil. Das Fahrzeug war bis 2011 bei der Feuerwehr Wülfrath im Einsatz und besitzt noch seinen originalen OM-366-A-Motor mit 100 kW.
Die Fahrt bot ihnen die Möglichkeit, den Kraftstoff unter anspruchsvollen Bedingungen zu erproben. Beide hatten Neste MY Renewable Diesel bereits zuvor eingesetzt.
Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus
Nach Angaben des Herstellers verursacht Neste MY Renewable Diesel im Vergleich zu fossilem Diesel deutlich geringere Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus des Kraftstoffs. Berücksichtigt werden dabei die Rohstoffgewinnung, die Herstellung, der Transport und die Verwendung.
Die konkrete Minderung hängt von den eingesetzten Rohstoffen sowie der jeweiligen Liefercharge ab. Sie ist daher anhand der zugehörigen Nachhaltigkeitsnachweise zu bestimmen. Bei der Verbrennung im Motor entsteht weiterhin CO₂. Die Herstellerangabe bezieht sich nicht auf die Emissionen am Auspuff, sondern auf die gesamte Lebenszyklusbilanz.
Rund 17 Liter auf 100 Kilometer bei der Anreise
Schon auf dem Weg von Vaihingen über den Kanton Wallis und den Großen St. Bernhard zeigte sich Eckert mit dem Verbrauch zufrieden. Nach seiner Aufzeichnung benötigte der Unimog für die Strecke rund 17 Liter Neste MY Renewable Diesel auf 100 Kilometer.
Die Route zum Theodulpass führte die Teilnehmer über Schotterpisten und hochalpines Gelände.
Foto: Unimog-Club Italia
Beobachtungen bei hoher Motorlast
Während des Anstiegs achteten Eckert und Moryson besonders auf das Motorverhalten. Nach ihrer Beobachtung entwickelte der mit Neste MY Renewable Diesel betriebene Unimog auch unter hoher Last deutlich weniger sichtbaren schwarzen Rauch als mehrere Fahrzeuge der Gruppe, die mit fossilem Diesel unterwegs waren.
Dabei handelt es sich um eine Beobachtung während dieser einzelnen Fahrt, nicht um eine standardisierte Emissionsmessung. Wissenschaftliche Untersuchungen und Feldversuche weisen darauf hin, dass beim Einsatz von HVO100 bestimmte lokale Emissionen gegenüber fossilem Diesel geringer ausfallen können. Die Ergebnisse hängen jedoch vom Motor, seinem technischen Zustand, der Abgasnachbehandlung und dem Einsatzprofil ab. Die von Neste genannten Vergleichswerte beziehen sich insbesondere auf ältere Fahrzeuge und mobile Maschinen.
Auch bei der Motorleistung bemerkte Eckert nach eigener Aussage keine Veränderung: „Wir konnten keinen Leistungsunterschied zwischen Talsohle und der Passhöhe in 3.295 Metern feststellen.“
Motorgeräusch und Kaltstart aus Sicht der Fahrer
Eckert und Moryson berichten außerdem, dass sie den Motorlauf mit Neste MY Renewable Diesel als ruhiger wahrnehmen. Auch das für ältere Dieselmotoren typische Nageln nach dem Kaltstart sei nach ihrem Eindruck weniger ausgeprägt.
Nach Angaben der Fahrer zeigte der mit HVO100 betriebene Unimog während des Anstiegs weniger sichtbaren schwarzen Rauch als mehrere Vergleichsfahrzeuge.
Foto: Unimog-Club Italia
Lagerung und Einsatz bei niedrigen Temperaturen
Neste MY Renewable Diesel enthält keinen FAME-Anteil (auch als Biodiesel bekannt). Das kann das Risiko mikrobiellen Wachstums und bestimmter Alterungsprozesse während längerer Standzeiten verringern. Eine vollständig ausgeschlossene Kraftstoffalterung oder ein genereller Schutz vor mikrobieller Verunreinigung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Saubere Tanks, geeignete Lagerbedingungen und regelmäßige Kontrollen bleiben wichtig.
Für den Winterbetrieb wird Neste MY Renewable Diesel nach den EDi-Produktinformationen ganzjährig mit einem Trübungspunkt von mindestens minus 22 Grad Celsius oder niedriger angeboten. Entscheidend ist die Spezifikation der tatsächlich gelieferten Qualität.
Einsatz nur nach Prüfung der technischen Eignung
Neste MY Renewable Diesel gehört zur Kraftstoffgruppe XTL und erfüllt die Anforderungen der DIN EN 15940. Paraffinischer Dieselkraftstoff dieser Qualität darf in Deutschland regulär an Letztverbraucher abgegeben werden.
Vor dem Einsatz muss geprüft werden, ob der Fahrzeug- oder Motorhersteller Kraftstoff nach DIN EN 15940 beziehungsweise XTL freigegeben hat. Bei älteren Fahrzeugen wie dem beschriebenen Unimog liegt häufig keine ausdrückliche Herstellerfreigabe vor.
Weitere Erfahrungen mit einem Dieselfahrzeug
Bernd Eckert berichtet auch vom Einsatz des Kraftstoffs in einem VW Tiguan seiner Ehefrau. Nach seinen Angaben waren zuvor wiederholt Probleme mit dem Dieselpartikelfilter und der Abgasrückführung aufgetreten: „Seit wir anfangs versuchsweise und jetzt nur noch Neste MY Renewable Diesel tanken, sind die Probleme wie von Geisterhand verschwunden. Und der Tiguan läuft jetzt so leise, dass ich sogar den Turbolader hören kann.“
Das Zitat gibt eine persönliche Erfahrung wieder. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Kraftstoffwechsel und den beschriebenen technischen Veränderungen wurde nicht untersucht. Die Aussage ist daher nicht als allgemeines Leistungs- oder Reparaturversprechen zu verstehen.
Praxistest auf besonderer Strecke
Die Fahrt zum Theodulpass zeigt vor allem, dass der 34 Jahre alte Unimog die anspruchsvolle Strecke mit Neste MY Renewable Diesel im Tank bewältigte. Die Fahrer stellten dabei weder einen spürbaren Leistungsverlust noch technische Schwierigkeiten fest.
Hinweis
Die Angaben zur Treibhausgasbilanz beziehen sich auf den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs und beruhen auf Herstellerangaben sowie der Berechnungsmethodik der EU-Richtlinie RED II. Aussagen zu Motorlauf, Geruch, Verbauch und sichtbaren Rußemissionen basieren auf den persönlichen Erfahrungen der im Artikel genannten Personen. Die Ergebnisse können je nach Motor, Wartungszustand und Einsatzbedingungen variieren.



