Quo vadis, OPEC?

Noch vor vier Monaten hätte wahrscheinlich niemand bei der OPEC gedacht, dass sich die Ölpreise in so kurzer Zeit so komplett vom Corona-Einbruch im vergangenen Frühjahr erholen würden. Doch inzwischen liegen die Rohölpreise nach einer Preisrallye, die ihresgleichen sucht, wieder auf Vorkrisenniveau. Die OPEC und ihre Partner, das größte Bündnis erdölexportierender Länder weltweit, hatten es mit umfangreichen Produktionskürzungen geschafft, den Ölmarkt in Balance zu halten. Doch nun lautet die Frage: wie soll es weiter gehen?

 

Wirksame OPEC Strategie
Seit dem Ausbruch der Krise im Frühjahr hat die OPEC+, ein Bündnis aus 23 Staaten unter Führung Saudi-Arabiens und Russlands, mehrere Millionen Barrel (á 159 Liter) ihrer täglichen Ölproduktion zurückgehalten. Im Mai begann die historische Förderkürzung, bei der insgesamt 9,7 Millionen Barrel Rohöl weniger – aufgeschlüsselt nach komplizierten Produktionsquoten für jedes einzelne Land – gefördert wurden. Seitdem sind diese Mengen schrittweise angepasst worden, doch nimmt die OPEC+ allein im Februar nach wie vor etwa 200 Millionen Barrel vom Markt.

 

Mit den massiven Kürzungen, die es in diesem Ausmaß noch nie gegeben hatte, hat das Bündnis auch die Zahl der regelmäßigen OPEC-Sitzungen deutlich erhöht. Wo sich die OPEC+ sonst nur zweimal im Jahr zur Vollversammlung in Wien traf, finden nun monatlichen Zoom-Konferenzen statt, bei denen die Marschrichtung flexibel auf die Marktentwicklung angepasst wird. Und auch die üblichen Streitigkeiten werden nun monatlich ausgetragen, denn harmonische Einigkeit ist bei der OPEC+ traditionell eher selten. Zu groß sind die widerstreitenden Interessen der 23 Mitgliedsstaaten.

 

Preisanstieg hat Karten neu gemischt
Am 4. März ist es nun wieder so weit und die OPEC+ kommt zu einer neuerlichen virtuellen Vollversammlung zusammen. Es ist wohl auch an der Zeit, denn das treffen für Februar hatte man abgesagt, nachdem man Anfang Januar die Strategie für das erste Quartal mehr oder weniger festgelegt hatte. Seitdem sind die Ölpreise jedoch um fast 19 Prozent oder 11 Dollar gestiegen. Das weckt Begehrlichkeiten bei den Mitgliedern, die bei höheren Preisen für ihre Ware viel Geld liegen lassen, wenn sie ihre Produktionskapazitäten nicht ausschöpfen.

 

Die hohen Preise liefern gute Argumente, die Produktion anzuheben, zeigen sie doch, dass man das ursprüngliche Ziel – nämlich den Markt auszugleichen – erreicht hat. Doch die Gefahr besteht, zu schnell zu viel Ware auf den Markt zurückzubringen. Immerhin ist die Corona-Pandemie noch nicht vorbei, und auch wenn die Prognosen für die allgemeine Nachfrageerholung mit den nahenden Sommermonaten immer besser aussieht, gibt es doch mit mehr und mehr Virus-Mutationen und drohenden dritten Wellen eine große Menge an Unbekannten.

 

Warten auf Ergebnisse sorgt für Auf und Ab an den Börsen
Die Aufgabe der OPEC+ wird es also sein, abzuwägen, wie viel mehr Öl der Markt in den kommenden Monaten vertragen kann. Eine komplette Beendigung der Förderkürzungen ist ziemlich unwahrscheinlich, nicht zuletzt weil mit Saudi-Arabien eine mächtige Partei für stärkere Kürzungen plädiert. Das Land, neben Russland der mit Abstand größte Produzent innerhalb des Bündnisses, hatte zuletzt freiwillig eine Millionen Barrel weniger produziert als es die Quoten zugelassen hätten. Diese Kürzungen sollen ab April aber enden.

 

Es bleibt also spannend, zu welchen Ergebnissen die OPEC+ am 4. März kommen wird. Entsprechend viel Unsicherheit herrscht auch an den Ölmärkten, die sich zwar immer noch im langfristigen Aufwärtstrend befinden, in den letzten Tagen aber auch immer wieder mal kleinere Abwärtskorrekturen erlebt haben. Bis zum nächsten Donnerstag dürfte sich diese Marktvolatilität auch noch fortsetzen.

 

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