HVO100 für Pistenfahrzeuge und saisonal eingesetzte Technik
Neste MY Renewable Diesel im Skigebiet Feldberg
Pistenraupen des Liftverbunds Feldberg werden teilweise mit Neste MY Renewable Diesel nach DIN EN 15940 betrieben.
Foto: Liftverbund Feldberg
Pistenraupen arbeiten unter hoher Last und müssen auch bei tiefen Temperaturen zuverlässig einsatzbereit sein. Das Skigebiet Feldberg im Schwarzwald setzt deshalb für Teile seines Maschinenparks Neste MY Renewable Diesel ein. EDi Energie-Direkt Hohenlohe liefert den paraffinischen Dieselkraftstoff nach DIN EN 15940, die Willi Schüler GmbH aus Ebringen begleitet die Anwendung vor Ort.
Mit der Umstellung verfolgt der Liftverbund Feldberg das Ziel, die Treibhausgasemissionen des eingesetzten Kraftstoffs zu verringern. Nach Herstellerangaben kann Neste MY Renewable Diesel über den Lebenszyklus deutlich geringere Treibhausgasemissionen verursachen als fossiler Diesel. Die tatsächliche Minderung hängt unter anderem von den verwendeten Rohstoffen und der jeweiligen Liefercharge ab. Die Berechnung erfolgt nach den Vorgaben der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien RED II.
Einsatz in einem anspruchsvollen Arbeitsumfeld
Auf dem Feldberg sorgen Pistenraupen dafür, dass die Abfahrten für den Skibetrieb vorbereitet werden. Dabei laufen die Motoren über längere Zeit unter hoher Belastung. Hinzu kommen niedrige Temperaturen und ein saisonaler Einsatz, der besondere Anforderungen an Kraftstoff und Technik stellt.
Für die betreffende Skisaison plante der Liftverbund den Einsatz von rund 120.000 Litern Neste MY Renewable Diesel. Der Kraftstoff wird aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt, darunter Rest- und Abfallstoffe wie gebrauchte Speiseöle oder Fette aus der Lebensmittelverarbeitung. Welche Rohstoffe konkret eingesetzt werden, kann je nach Produktionscharge variieren.
Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus
Die im ursprünglichen Projektbericht genannte Einsparung von rund 286 Tonnen CO₂ beruhte auf der geplanten Kraftstoffmenge und einer angenommenen Minderung von 90 Prozent. Für eine belastbare Bilanz sollte jedoch nicht mit einem pauschalen Wert gerechnet werden.
Maßgeblich sind die zertifizierten Lebenszykluswerte der tatsächlich gelieferten Kraftstoffcharge. Sie berücksichtigen die Emissionen von der Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe über Herstellung und Transport bis zur Verwendung des Kraftstoffs. Deshalb sollte der Liftverbund die ausgewiesenen CO₂e-Werte aus den jeweiligen Nachhaltigkeitsnachweisen übernehmen.
Nicht gemeint sind 90 Prozent weniger Emissionen am Auspuff. Bei der Verbrennung entsteht weiterhin CO₂. Der Vorteil ergibt sich aus der Bilanz über den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs.
Der Liftverbund setzt HVO100 ein, um die CO₂e-Lebenszyklusemissionen des verwendeten Kraftstoffs gegenüber fossilem Diesel zu verringern.
Foto: Thomas Latzel
Nutzung mit vorhandenen Fahrzeugen
Neste MY Renewable Diesel erfüllt die Anforderungen der DIN EN 15940. Der Kraftstoff kann in freigegebenen Dieselmotoren eingesetzt und auch mit fossilem Diesel gemischt werden. Vor der Umstellung ist für jedes Fahrzeug zu prüfen, ob der Hersteller den Betrieb mit XTL beziehungsweise Kraftstoff nach DIN EN 15940 freigegeben hat. Entscheidend sind die Angaben in der Betriebsanleitung, an der Tankklappe oder in den technischen Unterlagen des Herstellers.
Beim Liftverbund Feldberg konnte, neben den Fahrzeugen, auch die vorhandene Tankinfrastruktur für den Einsatz des Kraftstoffs weiter genutzt werden.
Beobachtungen bei Ruß und Geruch
Im Betrieb der Pistenraupen wurden nach Angaben der Anwender weniger sichtbare schwarze Abgasfahnen beobachtet. Neste MY Renewable Diesel ist nahezu frei von Aromaten und enthält keinen Schwefel. Untersuchungen und Feldversuche weisen darauf hin, dass sich bei der Verwendung von reinem HVO100 bestimmte lokale Emissionen reduzieren können.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vom Motor, seinem technischen Zustand und dem jeweiligen Einsatzprofil ab. Angaben zu geringeren Partikel- oder Feinstaubemissionen dürfen daher nicht pauschal auf jede Maschine übertragen werden. Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse beziehen sich insbesondere auf ältere Fahrzeuge und mobile Maschinen.
Auch beim Betanken wird Neste MY Renewable Diesel von Anwendern häufig als geruchsärmer wahrgenommen als fossiler Diesel. Dabei handelt es sich um eine praktische Erfahrung, nicht um eine allgemeingültige Aussage zur Luftqualität.
Aufgrund seiner Lager- und Kälteeigenschaften kommt Neste MY Renewable Diesel auch für saisonal genutzte Technik und den Notbetrieb von Anlagen infrage. Die Herstellerfreigabe bleibt Voraussetzung.
Foto: Liftverbund Feldberg
Lagerung bei saisonalem Betrieb
Bei Pistenfahrzeugen spielt die Lagerstabilität eine wichtige Rolle, weil sie über längere Zeiträume nicht genutzt werden. Neste MY Renewable Diesel enthält keinen FAME-Anteil (auch bekannt als Biodiesel) und weist eine hohe Lagerstabilität auf.
Der fehlende FAME-Anteil kann das Risiko mikrobiellen Wachstums im Tank verringern. Eine vollständig ausgeschlossene Kraftstoffalterung oder ein sicherer Schutz vor der sogenannten Dieselpest lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Auch bei HVO100 bleiben sachgerechte Lagerbedingungen, saubere Tanks und regelmäßige Kontrollen wichtig.
Diese Eigenschaften sind nicht nur für Pistenraupen interessant. Sie können auch bei anderen saisonal genutzten Fahrzeugen oder bei Notstromaggregaten relevant sein. Der Liftverbund erwog deshalb, Neste MY Renewable Diesel ebenfalls für den Notbetrieb der Seilbahn einzusetzen.
Kälteeigenschaften für den Winterbetrieb
Für den Einsatz im Skigebiet ist die Kraftstoffqualität bei niedrigen Temperaturen entscheidend. Nach Herstellerangaben wird Neste MY Renewable Diesel ganzjährig mit einem Trübungspunkt von mindestens minus 22 Grad Celsius oder niedriger angeboten. Für besondere Anforderungen können Qualitäten mit abweichenden Winterspezifikationen verfügbar sein.
Welche Qualität benötigt wird, sollte anhand der zu erwartenden Temperaturen, der Lagerbedingungen und der Vorgaben des Fahrzeugherstellers festgelegt werden. Eine pauschale Kältebeständigkeit bis minus 32 Grad Celsius gilt nicht automatisch für jede ausgelieferte Charge.
Erfahrungen am Feldberg
Der Einsatz am Feldberg zeigt, wie sich ein paraffinischer Dieselkraftstoff in einen bestehenden Maschinenpark integrieren lässt. Für den Liftverbund waren vor allem die mögliche Minderung der CO₂e-Lebenszyklusemissionen, die Eignung für den Winterbetrieb und die Nutzung der vorhandenen Technik relevant.
Hinweis zu den Angaben
Die Aussagen zur Minderung der Treibhausgasemissionen beziehen sich auf den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs im Vergleich zu fossilem Diesel und beruhen auf Herstellerangaben sowie der RED-II-Berechnungsmethodik. Wie hoch die Treibhausgasminderung tatsächlich ausfällt, muss anhand der gelieferten Menge und der chargenbezogenen Nachweise berechnet werden.
Angaben zu lokalen Emissionen stammen aus Studien und Feldversuchen mit Neste MY Renewable Diesel. Die Ergebnisse können je nach Motor, Einsatzprofil und Umgebungsbedingungen unterschiedlich ausfallen. Beobachtungen zu Ruß, Geruch oder Motorbetrieb beziehen sich auf die Fahrzeuge vor Ort und können bei anderen Maschinen abweichen.



