Do., 27.02.2025 | HVO

Diskussion um E-Fuels

Einordnung der Metastudie „E-Fuels und ihre Grenzen“

Ein Mix aus e-Fuels, Elektromobilität und weiteren Technologien könnte langfristig die beste Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels sein.
Foto: jhenning über Pixabay

Strombasierte synthetische Kraftstoffe, sogenannte eFuels, werden häufig als mögliche Ergänzung für eine klimaneutrale Mobilität diskutiert. Während einige Studien ihren Einsatz im Pkw-Verkehr kritisch bewerten, sehen andere Fachleute darin einen wichtigen Baustein einer technologieoffenen Mobilitätsstrategie.

Zu den häufig zitierten Veröffentlichungen gehört die Metastudie „E-Fuels und ihre Grenzen“ des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass eFuels im Pkw-Verkehr gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen deutliche Nachteile aufweisen.

Diese Bewertung wird jedoch nicht von allen Fachorganisationen geteilt. Unter anderem der UNITI Bundesverband EnergieMittelstand e.V. und das eFuels Forum sehen mehrere Annahmen der Studie kritisch. Die nachfolgenden Punkte fassen diese Kritik zusammen.

Annahmen zur zukünftigen Produktion von eFuels

Nach Einschätzung des eFuels Forums berücksichtigt die Metastudie nicht ausreichend, dass eFuels künftig überwiegend in Regionen mit einem hohen Angebot erneuerbarer Energien produziert werden könnten. Genannt werden beispielsweise windreiche Küstenregionen oder Gebiete mit hoher Sonneneinstrahlung. Dadurch könnten sich Produktionskosten und Energieerträge anders entwickeln, als es die Studie annimmt.

Das eFuels Forum verweist außerdem auf Untersuchungen des Fraunhofer Fraunhofer IEE , nach denen weltweit ein erhebliches Potenzial für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe besteht. Zudem wird auf technische Weiterentwicklungen wie das Methanol-to-Gasoline-Verfahren (MtG) verwiesen, die künftig Einfluss auf Produktionsprozesse und Wirtschaftlichkeit haben könnten.

Entwicklung des Fahrzeugbestands

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Annahmen zur Entwicklung des Pkw-Bestands. Nach Auffassung der Kritiker geht die Studie von einem sehr schnellen Übergang zur batterieelektrischen Mobilität aus. Dabei werde ihrer Ansicht nach nur unzureichend berücksichtigt,

  • dass in Europa noch über viele Jahre eine große Zahl von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor unterwegs sein wird,
  • dass sich der Hochlauf der Elektromobilität regional unterschiedlich entwickelt,
  • und dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die Bereitstellung erneuerbarer Energie mit unterschiedlichen Herausforderungen verbunden sind.

Diese Aspekte könnten nach Auffassung des eFuels Forums Einfluss auf die zukünftige Rolle synthetischer Kraftstoffe haben.

Gemeinsame Nutzung verschiedener Anwendungen

Nach Einschätzung des eFuels Forums betrachtet die Metastudie den Straßenverkehr weitgehend getrennt von anderen Verkehrssektoren. Dabei werde außer Acht gelassen, dass synthetische Kraftstoffe auch für Anwendungen diskutiert werden, bei denen batterieelektrische Antriebe nur eingeschränkt geeignet sind, beispielsweise in der Luftfahrt oder im Seeverkehr.

Aus Sicht der Kritiker könnten gemeinsame Produktions- und Lieferstrukturen langfristig zu Skaleneffekten führen und damit die Wirtschaftlichkeit der Kraftstoffe verbessern. Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich eintritt, hängt jedoch von der weiteren Marktentwicklung ab.

Kosten und Energieeffizienz

Die Wirtschaftlichkeit von eFuels ist Gegenstand unterschiedlicher Bewertungen. Während die FÖS-Studie von vergleichsweise hohen Kosten ausgeht, verweist das eFuels Forum auf neuere Berechnungen, nach denen mit steigenden Produktionsmengen sinkende Herstellungskosten möglich seien.

Außerdem wird darauf hingewiesen, dass Standorte mit einem hohen Angebot erneuerbarer Energien künftig günstige Produktionsbedingungen bieten könnten. Auch bei der Bewertung fossiler Kraftstoffe unterscheiden sich die Annahmen. Nach Ansicht des eFuels Forums berücksichtigt die Studie mögliche zukünftige Veränderungen regulatorischer Rahmenbedingungen und CO₂-Bepreisungen nur eingeschränkt.

Bestehende Infrastruktur

Aus Sicht des eFuels Forums spricht für synthetische Kraftstoffe außerdem, dass sie grundsätzlich über die vorhandene Kraftstofflogistik verteilt werden können. Dazu gehören unter anderem Raffinerien, Tanklager, Transportwege und Tankstellennetze. Welche Investitionen hierfür langfristig erforderlich sind, hängt jedoch von den jeweiligen Kraftstoffen sowie den regulatorischen Anforderungen ab.

Rohstoffe und lokale Emissionen

In der Diskussion um unterschiedliche Antriebstechnologien werden neben den Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus auch weitere Aspekte betrachtet.

Dazu zählen beispielsweise

  • der Bedarf an Rohstoffen für verschiedene Fahrzeugtechnologien,
  • Partikelemissionen durch Reifen- und Bremsabrieb,
  • der Ausbau der jeweiligen Infrastruktur,
  • sowie die Nutzung bestehender Fahrzeugflotten.

Wie diese Faktoren im Gesamtkontext zu bewerten sind, wird in Wissenschaft und Politik unterschiedlich beurteilt und ist Gegenstand laufender Forschung.

Fazit

Die Diskussion über die zukünftige Rolle von eFuels wird unterschiedlich geführt. Während die Metastudie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft den Einsatz im Pkw-Bereich kritisch bewertet, kommen andere Organisationen zu einer abweichenden Einschätzung.

Nach Auffassung des eFuels Forums und des UNITI Bundesverbands EnergieMittelstand e. V. sollten synthetische Kraftstoffe als Bestandteil eines technologieoffenen Ansatzes betrachtet werden. Sie sehen insbesondere Potenzial für Anwendungen, in denen eine vollständige Elektrifizierung kurzfristig nur schwer umsetzbar ist oder bestehende Fahrzeugflotten weiterhin genutzt werden.

Wie groß der Beitrag von eFuels künftig tatsächlich sein wird, hängt unter anderem von technologischen Entwicklungen, den verfügbaren Produktionskapazitäten, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und politischen Entscheidungen ab.

Hinweis und Quelle:

Dieser Beitrag fasst die vom eFuels Forum veröffentlichten Kritikpunkte an der Metastudie E-Fuels und ihre Grenzen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zusammen. Die dargestellten Bewertungen geben die Position des eFuels Forums beziehungsweise der dort zitierten Organisationen wieder und stellen keine unabhängige wissenschaftliche Begutachtung der Studie dar.

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