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Fr, 28.06.2024 | Heizöl-News

Umwelthilfe warnt vor HVO100 – ADAC kontert – Heizöl legt weiter zu

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat gestern vor zusätzlichen Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen im Zusammenhang mit dem neuen Dieselkraftstoff HVO100 gewarnt. Durch die andere Zusammensetzung von HVO100 entstehe der DUH zufolge bei der Verbrennung in Dieselmotoren zwar eine geringere Masse an Feinstaub, dafür aber eine stark erhöhte Menge an besonders kleinen und damit die Gesundheit beeinträchtigenden lungengängigen Partikeln.

Dabei sollte die Kraftstoffalternative nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums eigentlich klimaschädliche Treibhausgasemissionen um „bis zu 90 Prozent“ verringern und gleichzeitig die „lokale Umweltbelastung in Städten und Kommunen“ reduzieren.

DUH: HVO100 gesundheitsschädlicher als herkömmlicher Diesel
Messungen der DUH an einem Euro-5-Diesel-Pkw hätten jedoch gezeigt, dass HVO100 gesundheitsschädlicher als herkömmlicher Diesel ist. Beim Dieselabgasgift NOx zeigten die DUH-Abgasmessungen im Straßenverkehr einen Anstieg der Emissionen von 533 mg/km bei Verwendung von konventionellem Diesel auf 643 mg/km mit HVO100 (Mittelwert von jeweils sechs RDE Fahrten). Zudem zeigen die Abgasmessungen, dass genauso viel klimaschädliches CO2 wie bei der Verbrennung von fossilem Diesel entsteht.

Gefährliche Kleinstpartikel im Visier der DUH
Axel Friedrich, Leiter des Emissions-Kontroll-Instituts der DUH: „Unsere Messungen an einem VW Touareg Euro 5 zeigen, dass die Stickoxidemissionen bei HVO100 ungefähr 20 % höher sind als bei herkömmlichem Diesel. Besonders problematisch ist jedoch, dass auch die ultrafeinen Partikel ansteigen. Diese sind besonders schädlich für die Gesundheit, weil sie tief in den Körper bis in die Blutbahnen eindringen. Die HVO-Kraftstoffe werden auch unverständlicherweise von der CO2-Bepreisung ausgenommen. Dies muss unverzüglich beendet werden.“

DUH: Industrie mischt HVO100 Rohölprodukte bei
Nach Angaben der DUH besteht HVO100 offensichtlich auch aus extra angebauten Pflanzenölen wie Palmöl, obwohl es angeblich nur aus altem Frittieröl und anderen Reststoffen hergestellt wird. Der DUH zufolge stehen Frittieröle und ölhaltige Rest- und Abfallstoffe nicht in ausreichender Menge zur Verfügung und werden zudem bereits als wertvoller Rohstoff in der chemischen Industrie eingesetzt.

Beim Einsatz alter Frittieröle zur Herstellung von HVO100 müsse die Industrie die fehlenden Mengen beispielsweise durch Rohölprodukte ersetzen. In einer ehrlichen Gesamtbetrachtung seien die tatsächlichen Klimagasemissionen dadurch oft sogar höher als bei herkömmlichem Dieselkraftstoff.

Stellungnahme ADAC: „Neuen Dieselkraftstoff nicht schlechtreden“
In einer noch gestern veröffentlichten Stellungnahme, stellt der ADAC fest: Bei Messungen des ADAC zu den Emissionen von HVO100 wurden die Grenzwerte sowohl bei den Rußpartikeln (PN) als auch bei den Stickoxiden (NOx) um bis zu 97 % bzw. 78 % unterschritten. Die alarmistische Darstellung der DUH ist vor diesem Hintergrund höchst tendenziös und trägt zur Verunsicherung von Verbrauchern bei.

Eine solche Verzerrung der Sachverhalte ist für den ADAC nicht nachvollziehbar. Damit zerredet die DUH die Chancen von HVO100 für einen klimafreundlichen Verkehr. Gerade vor dem Hintergrund eines zögerlichen Hochlaufs der Elektromobilität gilt es, die Möglichkeiten alternativer Kraftstoffe für Bestandsfahrzeuge voll auszuschöpfen. Fraglich ist zusätzlich, warum die DUH bei eigenen Messungen mit dem Touareg 3.0 TDI Euro 5 ein Fahrzeug genutzt hat, dass keine HVO-Freigabe besitzt.

ADAC Technikpräsident Karsten Schulze: „Für mich ist das Ziel der Untersuchung sowie der Veröffentlichung klar. Es geht um Stimmungsmache und nicht um die Sache. Schade, dass sich die DUH aus ihrer Verantwortung für Klimaschutz im Verkehr verabschiedet“.

Heizölpreise mit deutlichen Aufschlägen 
Nachdem heute im frühen Handel weitere Preissteigerungen für Gasöl, dem Vorprodukt für Diesel und Heizöl, zu beobachten sind, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet je nach Region maximal +0,35 Euro bis +0,85 Euro pro 100 Liter mehr bezahlen als noch am Donnerstag.

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