Rosneft Deutschland unter Treuhandverwaltung

Seit Monaten war nach einer Lösung gesucht und verhandelt worden. Nun ist klar: Der Bund übernimmt die Treuhandverwaltung der Rosneft Deutschland und damit auch die Kontrolle über die Rosneft-Anteile an den Raffinerien in Schwedt (Brandenburg), Karlsruhe und Vohburg (Bayern). Vor allem für die PCK Raffinerie in Schwedt dürfte das die Rettung sein.

 

Denn hier hatte man in den letzten Monaten um den Erhalt des Standortes gebangt, da die Anlage nahezu ausschließlich russisches Öl verarbeitet hat, welches über die „Druschba“-Pipeline direkt in die Raffinerie gepumpt wird. Die Rosneft hält gut 54 Prozent der Anteile und hat wenig Interesse an einer Abkehr von russischem Öl. Ein Problem, spätestens mit Beginn des deutschen Embargos auf  Öllieferungen am 4. Dezember.

 

Nun geht die Kontrolle also zunächst auf die Bundesnetzagentur über. Die Treuhandlösung soll für mindestens sechs Monat gelten und tritt ab heute in Kraft. Auf längere Sicht ist der Standort Schwedt, der den Großteil des Nordostens Deutschland versorgt und etwa 1.200 Mitarbeiterbeschäftigt damit wahrscheinlich gesichert. Wie es allerdings kurzfristig weitergehen wird, muss sich zeigen, denn dass Russland nun sofort den Ölhahn über die „Druschba“-Pipeline zudreht, ist nicht unwahrscheinlich.

 

Dies wiederum könnte durchaus zu Problemen führen, denn anders als die MiRo Raffinerie in Karlsruhe und die Bayernoil in Vohburg ist die PCK bisher komplett abhängig von russischen Öllieferungen gewesen und kann somit nicht schnell auf Alternativen zurückgreifen. Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundeswirtschaftsminister Habeck wollen deshalb heute Mittag Details zu einem „Zukunftspaket“ für die Region vorstellen und dabei wohl auch erläutern, wie die PCK weiter versorgt werden soll.

 

Zuletzt hieß es, dass ein Großteil der nötigen Mengen, etwa 60 Prozent, über den Ostseehafen in Rostock geliefert werden könne. Für eine Vollauslastung ist dies allerdings deutlich zu wenig. Wenn die Raffinerie nur gedrosselt produzieren kann, sind allerdings nicht nur Jobs in Gefahr sondern auch die Versorgungssicherheit in der Region. Es könnte also durchaus kurzfristig zu Lieferengpässen kommen, die dann über andere Regionen in Deutschland ausgeglichen werden müssten. Preissteigerungen sind damit nicht ausgeschlossen.